Auf den Spuren der hl. Angela
Als Fr. Rosmarie Baumann im Sommer 2010 die Lehrtätigkeit an unserer Schule beendete, versprach sie: „Ich komme wieder – aber ihr seid auch herzlich zu mir nach Brescia eingeladen.“ Sie schloss sich dem Orden der Angelinen an, der zur großen Familie der Ursulinen gehört, die alle auf Angela Merici als ihre Gründerin zurückgehen. Vor rund zwei Jahren hat sich unter Leitung von Fr. Baumann eine Gruppe von Schülerinnen zusammengefunden, die an die Ursprünge der Ursulinenschulen zurückgehen wollten. Ein großer Programmpunkt war die Aufführung eines Theaterstückes zum Festtag der hl. Angela am 27.01.2010. Mittlerweile sind es 21 Mädchen aus den 6.-8. Klassen, die zur Angelagruppe gehören. Fr. Baumann hat als Künstlerin oft noch in ihrer oberbayerischen Heimat zu tun und trifft sich dann auch mit ihrer Gruppe in Hohenburg. Von Anfang an bestand der Wunsch nach einem Gegenbesuch. Nach längerer Planung, die vor allem Fr. Katharina Weber übernommen hat, war es vom 6.-8. Juni 2011 endlich soweit. Fr. Weber wollte sich mit ihrer Bläsergruppe aus den 6. Klassen einer Fahrt der Angelagruppe anschließen. Während die Musiker in Lazise am Gardasee übernachteten, zog es die übrigen Schülerinnen nach Casa S. Angela im Herzen der Altstadt von Brescia, südwestlich vom Gardasee gelegen. Schon mehrmals war eine Gruppe aus dem Kollegium unter Leitung einiger unserer ehemaligen Ursulinen dorthin aufgebrochen und 2006 hatten bereits die Chor- und Orchestergruppen von Gymnasium und Realschule Probentage im selben Haus durchgeführt. Casa S. Angela ist das zentrale Haus der Angelinen und nimmt gleichzeitig gerne Gäste auf.
Die zwanzig Teilnehmerinnen wurden begleitet von Herrn Bauer aus dem Elternbeirat, einigen anderen Familienangehörigen, Fr. Dr. Bleyenberg und Fr. Thomé als Lehrkräften. Das riesige alte Gebäude übte auf alle sofort einen besonderen Reiz aus. Schnell fanden sich die Schülerinnen in den verwinkelten Gängen zurecht. (Schließlich sind sie geübt von unserem Hohenburger Schloss!) Es blieb viel Zeit zu Gesprächen, zum Singen und auch zum Beten. Die Schwestern öffneten bereitwillig auch die alte Kapelle, die sonst für Besucher nicht zugänglich ist. Fr. Baumann hatte ein wunderbares Programm entworfen. In den zweiten Tagen, die die Gruppe dort verbrachte, zeigte sie allen das Gebäude und erzählte die Geschichte der Angelinen. Dann ging es in die Kirche der hl. Angela, die mit dem übrigen Komplex verbunden ist. Dort ruht die Heilige in einem Glassarkophag. In angrenzenden Räumen hat sie die letzten Jahre ihres sehr aktiven Lebens als eine gesuchte und geschätzte Ratgeberin verbracht. Hier starb sie im Jahre 1540. Dieser Ort gilt als ein Herzstück der gesamten Ursulinenfamilie.
Am nächsten Tag kam die Gruppe aus Lazise dazu. Gemeinsam erkundeten wir die Altstadt. Nach einer leckeren „Pasta“-Mahlzeit ging es an die Vorbereitung eines gemeinsamen Gottesdienstes in der St. Angelakirche, der dann auch sehr gut gelang. Es wurde in Italienisch und Deutsch gesungen und gebetet. Auch italienische Freunde waren gekommen. Danach versammelte sich die Angelagruppe vor dem Grab der Heiligen. Der anschließende Abend war herzlich und gesellig. Im Zeichen der Begegnung waren beim Abendessen auch Freunde der Angelinen dabei. Die „Schlosswepsn-Musi“ vermittelte danach einen Eindruck der oberbayerischen Musikkultur, die die anwesenden Schwestern sehr berührte. Am Ende stand die herzliche Einladung zu einem Gegenbesuch nach Lenggries im kommenden Schuljahr.
Am letzten Vormittag hieß es dann schon Abschiednehmen und Zusammenpacken. Es blieb aber Zeit für einen letzten Besuch in St. Angela. Später trafen wir uns mit der Musikgruppe in Desenzano. Bei schönem Sonnenschein ging es zu „Le Grezze“, einem nahegelegenen Landgut, wo Angela Merici die ersten rund 40 Jahre ihres Lebens verbrachte. Heute ist es eine gut renovierte Gedenkstätte, in der man die Privaträume der Heiligen besichtigen kann, die dort ein einfaches Landleben führte. Später bat man um ihre Hilfe in Brescia, wo sie ihre endgültige Heimat fand und 1535 die erste Gemeinschaft der hl. Ursula gründete. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden daraus die verschiedenen Ordensgemeinschaften, die sich z. gr. T. nach der hl. Ursula benennen und auf Angela Merici zurückgehen. Die Gedenkstätte „Le Grezze“ wird heute von zwei Ursulinen betreut, die dort wohnen. Nach diesem Besuch hieß es, Abschied nehmen, von Fr. Baumann, von den Orten, die so viel Ausstrahlung haben und von Italien. Der Bus brachte uns sicher nach Lenggries zurück, nachdem wir die Alpen über den Brenner überquert hatten. Wir freuen uns auf ein Treffen mit den Schwestern aus Brescia in Lenggries, bei der eine Reliquie der hl. Angela in unserer Schlosskapelle feierlich eingesetzt werden soll. Die Oberin der Angelinen hat sie uns geschenkt und Fr. Baumann bewahrt sie für uns auf. Einmal mehr haben wir erlebt, dass unsere St. Ursula-Schulen von Hohenburg eingebunden in eine große weltweite Gemeinschaft.
Dr. Ursula Bleyenberg
